Radio Zmorgä
Erstmals hat SRG-Sponsoring zu einem «Radio Zmorgä» eingeladen. Anlass dazu war die Buchungseröffnung für das Radiosponsoring. Sven Epiney moderierte durch den Morgen; dazwischen gab es eine Führung durch die «Radio Hall» im Leutschenbach, in der SRF 1, SRF 3, Radio Virus und die Musikwelle produziert werden. Mittendrin waren Ackeret und Lüthi: Ersterer im Publikum, Letzterer als Referent auf der Bühne. In diesem Rahmen hielt Lüthi sein Referat zur Frage: Was kommt nach UKW und DAB+?
Die einfache Antwort darauf lautet: Radio nur noch als App und Stream, wie es schon heute rund 40 Prozent der Nutzung ausmacht. Lüthi zeigt im Gespräch aber auf, was dabei verloren ginge – allen voran die Kostenkontrolle: «Ob 10'000 oder 300'000 Leute zuhören, die Verbreitung kostet immer gleich viel», sagt er zum klassischen Rundfunk. Bei reiner Internetverbreitung werde man dagegen «Opfer seines eigenen Erfolgs», weil jeder zusätzliche Hörer die Kosten treibt. Auch die Anonymität der Hörerschaft stehe auf dem Spiel: «Wenn ich UKW höre, weiss niemand, was ich höre», so Lüthi – ein Stream dagegen hinterlasse genau dokumentierte Spuren in den Server-Logs.
Ackeret hakt nach, was Radiosendern mit dem Wechsel zu reiner Internetverbreitung sonst noch abhandenkäme. Für Lüthi ist die Antwort klar: die Kanalhoheit. Heute sichere das staatlich garantierte Rundfunkprivileg – in der Schweiz über Konzessionen geregelt – den Radios einen diskriminierungsfreien Zugang zur Antenne. Im Internet gebe es dieses Privileg nicht: «Dort ist ein Radiosender ein App-Anbieter unter vielen», sagt Lüthi. Ohne eigene Verbreitungstechnologie verliere Radio damit seine Rolle als souveränes Massenmedium und werde zu einem Angebot unter vielen auf den Plattformen globaler Techkonzerne.
Als mögliche Nachfolgelösung wird oft 5G Broadcast gehandelt, eine Rundfunktechnologie auf Basis des Mobilfunkstandards. Lüthi bleibt skeptisch, ob die sich je durchsetzt, verweist aber auf die Grundsatzfrage dahinter: Will man die Radioverbreitung «globalen Konzernen übergeben, die nach rein kommerzieller Logik funktionieren», oder lieber auf eine Infrastruktur setzen, die noch mehrheitlich in öffentlicher Hand liegt? «Mir ist es grundsätzlich wohler, wenn eine staatliche oder öffentliche Kontrolle über die Infrastruktur vorhanden ist», sagt Lüthi.
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